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Gefördert durch:
Medizinische Fakultät der westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Rehakliniken

Kooperationspartner Schwerpunktthema:
Rehakliniken


Bild vom LeiterFrau Dr. Muchow ist Leiterin des
Gesundheitsamtes in Herford.

 

Bild vom LeiterFrau Prof. Dr. Hornberg ist Leiterin der Arbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit. Sie ist Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin mit langjähriger Erfahrung in der Infektiologie, insbesondere der Infektionsprävention.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Netzwerk zur Bekämpfung multiresistenter Erreger in Ostwestfalen-Lippe

www.mrsa-owl.net / www.mre-owl.net

Rehabilitationskliniken

Ein großes Problem bei der Bekämpfung multiresistenter Erreger (MRE) stellen die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Versorgungsbereichen dar. Dabei wurde der Bereich der Rehabilitation bislang weitgehend vernachlässigt, obwohl Besiedlungen (Kolonisationen) und Infektionen immer wieder ein Hindernis für Rehabilitationsmaßnahmen darstellen. Eine wesentliche Aufgabe des Netzwerkes in Ostwestfalen ist es daher, die MRE-Problematik bei allen Akteuren des Gesundheitswesens in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken und die Kenntnisse zum einen darüber zu verbessern, dass sich das Auftreten von MRE nicht mehr ausschließlich auf den stationären Sektor der Krankenhäuser der Maximalversorgung beschränkt. Zum anderen sollen Hygienemaßnahmen zur Vermeidung der Übertragung von MRE dargestellt werden.

Speziell der Bereich der Rehabilitation hat für die Region Ostwestfalen-Lippe eine besondere Bedeutung und stellt daher einen zentralen Schwerpunkt des Netzwerkes dar (Woltering et al. 2008). OWL weist eine hohe Dichte von Rehabilitationseinrichtungen auf: So befinden sich in der Region allein 23 der insgesamt 41 Kurorte und Heilbäder Nordrhein-Westfalens. Von insgesamt 139 Reha-Einrichtungen mit 20.826 Betten im gesamten Bundesland sind hier 44 Reha-Einrichtungen mit 9.073 Betten angesiedelt (43,6% der Betten) (IT.NRW 2012).

Angesichts der oftmals auf eine stationäre Reha-Maßnahme folgenden ambulanten Weiterversorgung ist gerade für die vorwiegend ländlich geprägte Region OWL ein effektives Management im Umgang mit MRE von elementarer Bedeutung. Vor dem demographischen Hintergrund stehen sich wachsender Versorgungsbedarf von älteren, weniger mobilen und gleichzeitig multimorbiden Patientinnen und Patienten und eine weitere Verschlechterung des medizinischen Versorgungsangebots im ländlichen Raum mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten gegenüber. Die Folgen zeichnen sich bereits heute ab. Ambulante Pflegedienste müssen ihren Einsatzradius kontinuierlich um weitere Einzugsgebiete vergrößern, um den bestehenden Versorgungsbedarf der zunehmend älteren Bevölkerung abdecken zu können. Bei fehlendem oder vernachlässigtem Hygienemanagement sind damit zahlreiche potentielle Risiken zur Weiterverbreitung und Übertragung multiresistenter Erreger gegeben. Dies bedeutet nicht nur für die betroffenen Patientinnen und Patienten eine erhebliche individuelle Krankheitslast, sondern stellt darüber hinaus insgesamt ein bevölkerungsmedizinisches und gesundheitsökonomisches Problem dar, z.B. durch Rehospitalisierung, Gefährdung des erzielten Behandlungs- oder Rehabilitationserfolgs oder durch (dauerhafte) MRE-Trägerschaft von Pflegepersonal.

Die Umstrukturierung der Finanzierung des Gesundheitssystems, mit einer klaren Trennung zwischen den Versorgungssektoren, hat in der Vergangenheit bereits häufig zu Diskontinuitäten in der Versorgung von MRE-Patientinnen und MRE-Patienten geführt (z.B. nicht weitergeführte Sanierungen).

Patientinnen und Patienten werden zunächst in einem Sektor versorgt und dann in einen anderen Sektor überwiesen. Hier besteht die Gefahr des Transfers und des Eintrags von multiresistenten Keimen zwischen den Bereichen der stationären (intensivmedizinischen) Behandlung, den stationären und ambulanten Reha-Bereichen sowie der ambulanten medizinischen und pflegerischen Versorgung.

Mit Blick auf die spezifischen Versorgungsstrukturen in OWL und den besonderen Voraussetzungen des primär ländlich geprägten Raumes werden im Netzwerk mrsa-owl.net/mre-owl.net sektorenübergreifende Maßnahmen im Bereich der MRE-Prävention entwickelt. Unter Einbeziehung aller für die Patientenversorgung verantwortlichen Akteure vor Ort (Gesundheitsämter, Reha-Kliniken, Krankenhäuser, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, ambulante Pflegedienste etc.), werden interdisziplinäre Konzepte zum Abbau von Barrieren zwischen den verschiedenen Versorgungsbereichen erarbeitet.
Dies verlangt - neben rein medizinischen und pflegerischen - Fachkompetenzen nach einem multidisziplinären Ansatz und der Einbindung von Public Health-Expertinnen und -Experten. Das interdisziplinär besetzte, forschungs- und zugleich anwendungsorientierte Netzwerk in OWL kann gewährleisten, dass die Problematik der Antibiotikaresistenzen für die Gesundheitsversorgung in ihrer gesamten Komplexität bearbeitet wird. Herausgehobene Beachtung sollen Bevölkerungsgruppen und Personen finden, die z.B. hinsichtlich Alter oder Vorerkrankungen besonders gefährdet in der Anfälligkeit für multiresistente Keime sind. So befinden sich z.B. Patientinnen und Patienten der Rehabilitation in einer Risikosituation, begründet in ihrer vielfach erhöhten Infektionsanfälligkeit durch vorbestehende Grunderkrankungen sowie durch die hohe Verlegungsfrequenz aus bzw. in Einrichtungen mit hoher Prävalenz von Erregern (Hornberg et al. 2003).

Die großräumige, flächendeckende Präsentation und Information über notwendige Präventionsmaßnahmen ist im Rahmen des Netzwerkes in Ostwestfalen-Lippe durch das bestehende Internetportal Verweissymbol www.mrsa-owl.net / www.mre-owl.net gewährleistet. Es bietet allen Akteuren einen unkomplizierten Zugriff auf Handlungsempfehlungen und Konzepte sowie fachliche Hintergrundinformationen. Darüber hinaus umfassen diese u.a. Strategien für ein koordiniertes Schnittstellen-Management; inklusive Screening-, Hygiene-, Isolierungs- und Sanierungsmaßnahmen sowie einen kontrollierten Antibiotikaeinsatz und sollen spezifisch auf den Bedarf der jeweiligen Rehabilitationsbereiche ausgerichtet werden. Des Weiteren ermöglichen Fortbildungsangebote für Akteure im Gesundheitswesen eine gezielte Information (u.a durch Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen) und können für eine Akzeptanzerhöhung des Internetangebots bei der Zielgruppe genutzt werden. Die Qualität und Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems vor dem Hintergrund des steigenden Kostendruckes weiterzuentwickeln ist ein erklärtes Ziel des Netzwerks mrsa-owl.net/mre-owl.net.

Der Aufbau und die Verankerung eines regionalen Netzwerks zur Prävention multiresistenter Erreger in Ostwestfalen-Lippe wird durch sieben beteiligte Gesundheitsämter in Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt „Multiresistente Erreger“ der Arbeitsgruppe 7 - Umwelt und Gesundheit (Leitung: Prof. Dr. med. Claudia Hornberg) an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, umgesetzt.

Im ostwestfälisch-lippischen Netzwerk sind die Gesundheitsämter der Stadt Bielefeld (Dr. Ruth Delius, Dr. Peter Schmid) sowie der Kreise Gütersloh (Dr. Matthias Gubba), Herford (Dr. Ursula Muchow), Höxter (Dr. Ronald Woltering), Lippe (Dr. Helmut Günther), Minden-Lübbecke (Dr. Peter Witte) und Paderborn (Dr. Ernst-Birger Bolle) vertreten. Die vorgenannten Personen sind aktive Mitglieder im Lenkungsausschuss des Netzwerks und arbeiten federführend an der Umsetzung der Netzwerkaktivitäten mit. Frau Dr. Ursula Muchow übernimmt derzeit die Funktion der Sprecherin des Netzwerks Verweissymbol www.mrsa-owl.net / www.mre-owl.net.
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